Wenn die meisten Menschen das Wort Diamant hören, denke sie wohl in erster Linie an einen farblosen, klaren Edelstein, der das Licht in ein Spektrum von Farben bricht. Doch ein Diamant existiert nicht nur in seiner durchsichtigen Form. In kleinen Mengen werden Diamanten jährlich in den verschiedensten Farben gefördert. Im englishsprachigen Raum werden sie daher als “Fancy Diamonds” bezeichnet. Das Wort fancy bedeutet schrill oder modisch und dient der Unterscheidung zwischen den farbigen und den farblosen Diamanten.

Doch wie entstehen eigentlich Fancy Diamanten? Im Grunde gibt es Diamanten in jeder beliebigen Farbe und Farbabstufung, wobei die Verfärbung auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist. Zu diesen Ursachen gehören z.B. die Einlagerung bestimmter chemnischer Elemente in der Kristallstruktur des Diamanten, der große Druck, der in der Erdkruste auf die Diamanten wirkt, oder die natürliche Erdbestrahlung. Da in der Natur diese drei Ursachen in unterschiedlicher Intensität auf den Entstehungsprozess einwirken können, sind reine einfarbige Diamanten schwerer zu finden als Diamanten mit mehreren Farbtönen und demnach auch wertvoller.

Das Element Bor verfärbt den Diamanten blau, Wasserstoff ist verantwortlich für eine lilane Verfärbung und Stickstoff sorgt für eine gelbe und orangene Verfärbung. Rote und braune Diamanten haben eine viel dichtere Struktur als farblose Diamanten, weshalb sie wahrscheinlich einem größeren Druck ausgesetzt waren. Eine grüne Farbe ist das Ergebnis von Erdbestrahlung.

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Welche Bewertungskriterien sind bei farbigen Diamanten zu beachten?

Bei Diamanten (aber auch anderen Edelsteinen) wird die Qualität anhand der sogenannten 4C bewertet – Reinheit (clarity), Schliff (cut), Farbe (colour) und Gewicht in Karat (carat weight). Die Qualitätsfeststellung der farbigen Diamanten erfolgt ebenfalls anhand dieser Kriterien. Die Messskala, die die Farbe feststellt, ändert sich jedoch. Bei farblosen Diamanten ist die Farbe mit Buchstaben gekennzeichnet und zwar von D bis Z. Das D kennzeichnet einen Diamanten, der vollkommen durchsichtig und farblos ist, wohingegen mit Z gekennzeichnete Diamanten einen Gelbstich aufweisen. Reinheit wird hierbei als Merkmal höherer Qualität angesehen, weshalb Diamanten mit dem Buchstaben D die beste Bewertung erhalten.

Bei farbigen Diamanten benutzt das GIA (Gemological Institute of America) eine verbale Messskala. Zu ihren einzelnen Abstufungen gehören Faint, Very Light, Light, Fancy Light, Fancy, Fancy Intense, Fancy Vivid, Fancy Deep und Fancy Dark. Faint deutet auf einen makellosen Farbton hin, wohingegen Fancy Vivid einen wesentlich intensiveren Ton bezeichnet. Für die Qualität eines Fancy-Diamanten gilt also: Je lebendiger und intensiver die Farbe, desto höher der Preis.

Die Reinheit der Fancy Diamanten spielt dagegen keine ausschlaggebende Rolle bei der Bestimmung des Wertes. Das wichtigste Kriterium ist die Farbe, ihre Abstufungen und Dichte. In der Praxis heißt das: Auch wenn die Einschlüsse und Unreinheiten bei einem wertvollen Farbton zu sehen sind, bleibt der Preis trotzdem hoch. Das gilt natürlich nicht, wenn die Einschlüsse einen Einfluss auf die Lebenszeit und Qualität des Edelsteines haben. In so einem Fall sinkt natürlich auch der Preis.

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Ein weiteres relevantes Kriterium ist der Schliff des Diamanten, da Größe und Form einen direkten Einfluss auf die Farbe haben. Mit der richtigen Bearbeitung können die Diamantschleifer eine erhebliche Farbintensivierung und damit auch eine Erhöhung des Diamantwertes erreichen. Was die Größe betrifft, gilt genau das gleiche, wie bei jedem anderen Diamanten – je mehr Karat, desto höher der Preis.

Zu den selteneren Farben gehören Rot, Blau, Grün und Orange. Gelbe und braune Diamanten kommen dagegen häufiger vor und sind in der Regel günstiger. Braune Diamanten wurden längere Zeit nur industriell genutzt. Erst in den achtziger Jahren wurde in Australien eine Menge brauner Diamanten gefunden, die dann ebenfalls für Schmuck genutzt wurden. Die einzelnen Farbtöne der braunen Diamanten unterscheidet man in “champagner”, “cognac” oder “coffee”. Allerdings werden braune Diamanten eher bei durchschnitllichem Juwelenschmuck genutzt.

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Was beeinflusst den Preis von Fancy Diamanten?

Auch bei Diamanten gilt das Prinzip der Exklusivität. Dies bedeutet, dass etwas Wertvolles automatisch einen hohen Preis hat. Jährlich werden große Mengen an Diamanten gewonnen. Jedoch ist nur eine geringe Anzahl für Schmuck geeignet und zu einer noch geringeren Menge davon gehören die Fancy Diamanten. Die wertvollsten Farben – Rot, Blau, Grün, Rosa oder Lila – gelten in der Natur als Rarität und kosten deshalb einen Vermögen. Auf die Frage, ob Sie für Fancy Diamanten in der Regel einen höheren Preis als für farblose Diamanten bezahlen, lässt sich nicht eindeutig antworten. Außer der Farbe kommen auch andre Faktoren ins Spiel, wie zum Beispiel die übrigen 4Cs – Schliff, Reinheit, Farbe und Gewicht. Somit kann auch der farblose Diamant teurer als ein Fancy Diamant sein. Wenn wir jedoch einem farblosen Diamanten einen intensiv roten Diamanten gegenüber gestellt hätten (von dem nur wenige Exemplare in der Welt vorkommen) und diese Diamanten identische Parameter hätten, wäre der Preis des roten Diamanten sicherlich um einiges höher.

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Die bekanntesten Fancy

Diamanten

Diamant Hope

Diamant Hope ist ein intensiv blauer Diamant, der den Legenden nach seinem Besitzer Unglück bringt. Er gehört zu den bekanntesten Edelsteinen überhaupt. Er wiegt etwas mehr als 45 Karat und zu seinen Besitzern gehörten zum Beispiel der französische König Ludwig XIV. und Henri Thomas Hope. Nach Letzterem wurde der Diamant auch benannt.

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Moussaieff Red

Obwohl der Moussaieff Red nur etwa 5 Karat wiegt, steigt sein Preis in geradezu himmlische Höhen. Ein roter Diaamnt gehört nämlich zu den echten Raritäten. Es wurden bisher nur etwa dreißig Stück gefunden und auch aus so einer unbeträchtlichen Menge wiegt die Mehrheit mehr als ein Karat. Deshalb ist die Entdeckung dieses roten Diamanten in Brasilien durch einen unbekannten Farmer eine internationale Sensation.

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Diamant Blue Moon

Dieser blauer Diamant zieht die Aufmerksamekt schon seit 2014 auf sich, dem Jahr, in dem er gefördert wurde. Sein ursprüngliches Gewicht von 30 Karat wurde durch den Ausschliff um zwei Drittel verkleinert. Derzeit beträgt sein Gewicht nur 12 Karat. Doch dies war ausreichend, um im Jahr 2015 den Weltrekord zu brechen und zum am teuersten verkauften Diamanten auf der ganzen Welt zu werden. Sein neuer Besitzer, der Milliardär Joseph Lau Luen Hung, hat ihn für unglaubliche 48 Millionen Dollar ersteigert.

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Diamant Pink Star

April 2017 brachte einen weiteren Rekord mit sich. Während einer Auktion in Hong Kong wurde ein vollkommen pinker Diamant mit dem Namen Pink Star verkauft. Dieser wurde bereits 1999 in einem Bergwerk der De Beers in Afrika gewonnen. Obwohl der Diamant nach zweihähriger Bearbeitung etwa die Hälfte seines ehemaligen Gewichts verloren hatte, wiegt er trotzdem noch beachtliche 60 Karat. Wenn wir zusätzlich seine Farbe und ideale Reinheit berücksichtigen, ist die Rekordsumme von 71,2 Millionen Dollar doch nicht so überraschend.

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Dresdner grüner Diamant

Der bekannteste grüne Diamant ist nicht nur wegen seiner Farbe faszinierend, sondern auch wegen seiner langen Geschichte. Erstmals wurde dieser Diamant 1722 erwähnt. Er wiegt 41 Karat und wurde zu einem der Dresdner Symbole, wo er seit mehr als 200 Jahren ausgestellt ist. Seine grüne Farbe lässt sich auf den Einfluss radioaktiver Strahlung, während seiner Entstehung, zurückführen.

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