Man sagt über Diamanten, dass sie für die Ewigkeit sind. Sie überleben ihre Besitzer, Monarchen, Krieg oder den Fall ganzer Reiche. Dies ist einer der Gründe für ihren hohen Preis. Die wertvollsten Diamanten werden für einige zehn Millionen Dollar verkauft. Jeder Kauf eines solchen Diamanten gerät meistens sofort auf das Titelblatt von Zeitungen. Obwohl ein bestimmter Zusammenhang zwischen der Größe eines Diamanten und seines Preises besteht, geht es noch längst nicht nur um die Menge des Karats. Es wird dabei ebenfalls die Reinheit, Farbe und der Schliff bewertet. Hinzukommt eine einzigartige und interessante Geschichte, ein ungewöhnliches Schicksal oder ein legendärer Besitzer. Im Jahr 2016 sorgte der Verkauf des Oppenheimer Blue für eine Sensation. In der Auktionshalle Christie’s ging der Diamant für mehr als 50 Millionen Dollar an den nächsten Besitzer über. Damit wurde Oppenheimer Blue zu den am teuersten verkauften Diamanten in der ganzen Geschichte. Es gibt aber auch Diamanten, die nie verkauft wurden und wenn ja, dann geschah dies vor langer Zeit. Sie sind heutzutage Teil der königlichen Juwelen oder werden in Museen ausgestellt. Ihren Wert kann man nur schätzen. Oppenheimer Blue, so teuer wie er sein mag, erzielt diesen Wert bei weitem nicht.

Werfen wir im Folgenden einen kurzen Blick auf die wertvollsten Diamanten der Welt.

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De Beers Centenary Diamond (100 Millionen Dollars)

Der Centenary Diamond ist neben Cullinan I und II der drittgrößte Diamant, der aus De Beers bekanntestem Bergwerk Premier gefördert wurde. In seinem rohen Zusand wog er erstaunliche 599 Karat (119 Gramm). Er wurde 1988 anlässlich des 100. Jubiläums des Unternehmens De Beers gut 400 Gästen präsentiert und erhielt aufgrund des Jubiläums seinen Namen “centenary” (hundertjährig). Der Rohdiamant wurde dem legendären Diamantenschleifer Gabi Tolkowsky anvertraut. Tolkowsky verbrachte ein Jahr lang nur mit dem Untersuchen des Diamanten, bis er jeden Riss und jeden Sprung kannte. Nach einjähriger Betrachtung war er mit dem Diamant ausreichend vertraut und hatte eine genaue Vorstellung, wie er den Diamant ausschleifen musste, um dessen Potenzial voll entfalten zu könnnen.

“Von dem Moment an, als ich wusste, dass ich ihn schleifen werde, bin ich zu einem anderen Mann geworden. Ein fremder Mann. Ich betrachtete den Stein bei Tag, und er beobachtete mich in der Nacht.” Am Anfang war es nötig ein paar tiefere Risse zu entfernen. Tolkowsky entschied sich für eine zeitlich anspruchsvolle und nur noch sehr selten genutzte Technik, den sogenannten “Kerf-Cut”. Diese Technik setzt auf die manuelle Bearbeiutung eines Diamanten. Sägen und Polieren mithilfe des Lasers, so befürchtete Tolkowsky, könnte übermäßige Vibrationen und Wärme hervorrufen und damit dem Diamanten schaden. Nach 154 Tagen und der Entfernung aller kritischen Stellen konnte das Polieren mithilfe von modernen Technologien durchgeführt werden. Das Ergebnis war ein 273-karätiger Diamant mit 247 Facetten.

Das Gemmologische Institut von Amerika (GIA) bewertete die Farbe sowie die Qualität des Diamanten mit den bestmöglichen Noten. Geschätzt ist der Diamant 100 Millionen Dollar wert. Schon mehrere Jahre wurde darüber spekuliert, ob die Firma De Beers den Diamanten bereits verkauft habe. Jedoch äußerte sich die Firma nicht dazu, da sonst die Privatsphäre und Anonymität des möglichen Käufers verletzt werden würde.

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Diamant Hope (250-350 Millionen Dollars)

Er ist einer der bekanntesten Diamanten der Welt mit einer langen und interessanten Geschichte, mit der sich viel Aberglaube und viele Legenden verknüpfen. Sogar bis heute wird über ihn gesagt, dass er verflucht sei und angeblich schon vielen Besitzern Unglück gebracht habe. Der Legende nach war dieser Diamant einst ein Auge der Skulptur der hinduistischen Göttin Sita, bevor er gestohlen wurde. Eine Variante der Legende besagt, dass ein Priester den Stein daraufhin verflucht habe. Allerdings entspringen die Geschichten über den Fluch wahrscheinlich eher den Fantasien kreativer Autoren. Sie erinnern sich vielleicht noch an das “Herz des Ozeans” – einen fiktiven Diamanten aus dem Film Titanic. Seine Geschichte wurde durch den Diamanten Hope inspiriert.

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Seine Geschichte begann in Indien. Im 17. Jahrhunder erwarb ihn der französische Händler Jean Batiste Tavenier. Er verkaufte ihn später dem französischen König Ludwig XIV., der für seine Leidenschaft für Luxus und Pracht weit bekannt war. Von da an sollte der Diamant seine Besitzer noch häufig wechseln. Nach der französischen Revolution befand er sich eine Weile im Besitz der Interimsregierung, die aber nicht seinen Diebstahl verhindern konnten. Der Diamant wurde jedoch am Anfang des 19. Jahrhunderts in England wiederentdeckt, im Besitz von Henry Phillip Hope. Durch ihn erhielt er auch seinen Namen “Hope”. Nach seinem Tod wurde der türkische Sultan Abdulhamid II. zu seinem Besitzer. Weitere Besitzer waren Evalyn Walsh McLean und danach Harry Winston, der diesen Diamant schließlich dem Smithsonian schenkte. In diesem Museum wird der Diamant bis heute aufbewahrt. Hope verdankt seinen Wert aber nicht nur seiner interessanten Geschichte. Auch seine Parameter sind beeindruckend. Er wiegt 44,5 Karat und verfügt über eine ausdrucksvolle dunkelblaue Farbe. Nach der Bestrahlung mit UV-Licht kann er für eine bestimmte Weile lang rot erstrahlen. Sowohl für die blaue Farbe als auch das rötliche Nachglühen unter UV-Licht ist vermutlich der Boranteil im Kristallgitter des Diamanten verantwortlich. Diamant Hope ist in einem Anhänger mit 16 weißen Diamanten eingefasst.

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Cullinan (400 Millionen Dollars)

Auch mehr als 100 Jahre nach dem Fund und der Förderung von Cullinan, hält er immer noch seine Position als der größte Rohdiamant, der je gefunden wurde. Er hat unglaubliche 3106 Karat, was mehr als 600 Gramm ist. Er wurde im Jahr 1905 im südafrikanischen Bergwerk Premier gefördert. Der Diamant wurde an den britischen König Eduard VII. verschenkt und ist bis heute Teil der britischen Kronjuwelen. Natürlich nicht in seiner Rohversion.

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Aus dem Rohdiamant entstanden 9 große und 96 kleinere Diamanten. Die größten und bekanntesten sind Cullinan I (auch “großer Stern von Afrika” genannt) und Cullinan II. Gerade der erste hat über mehrere Jahre hinweg den Rekord des größsten geschliffenen Diamanten der Welt (530 Karat) gehalten bis er 1985 vom Goldenen Jubilee übertroffen wurde. Die Spaltung und das Abschleifen des Rohdiamanten wurde den besten Schleifern der Welt, den Gebrüdern Asscher aus Amsterdam, anvertraut. Einigen Legenden nach soll Joseph Asscher nach der Zerspaltung des Diamanten in Ohnmacht gefallen sein. Dieses Gerücht ist jedoch nicht historisch fundiert. Cullinan I und II wurden zum unentbehrlichen Bestandteil der britischen Kronjuwelen. Wegen Cullinan I wurde sogar der Herrschaftsstab umgeändert, in den der Diamant eingesetzt wurde. Cullinan II fand seinen Platz an der staatlichen Krone des britischen Imperiums. Interessant ist dabei die Tatsache, dass beide Diamanten aus der Krone und aus dem Herrschaftsstab abgetrennt und mithilfe von kleinen Haken in eine Brosche gebunden werden können.

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Koh-I-Noor (unzählbarer Wert)

Über den bekanntesten Diamanten der Welt sagte man, dass jeder, der ihn jemals besessen hat, über die Welt geherrscht hat. In der Zeit, als ihn im 19. Jahrhundert Königin Victoria geschenkt bekam, war diese Aussage nicht weit von der Wahrheit entfernt. Das britische Imperium hatte sich in wesentlichen Teilen der Welt ausgebreitet. Da man glaubte, dass Koh-I-Noor den männlichen Mitgliedern Unglück bringen würde, trugen ihn bis heute nur die Frauen. Die ältesten Erwähnungen über den Diamanten Koh-I-Noor (Berg von Licht) reichen in das 14. Jahrhundert zurück. Mehrere Jahrhunderte hat dieser Diamant den bekanntesten Herrschern des damaligen Asiens gehört. Im Jahr 1849, nach dem zweiten Krieg zwischen den Briten und Sikhen, war das punjabische Königsreich von Großbritannien besetzt. Koh-I-Noor wurde zur Kriegsbeute und er wurde unter strengen Sicherheitsbedingungen nach Großbritanien geliefert, wo er am 3. Juli 1850 der Königin Viktoria geschenkt wurde.

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Ein Jahr später wurde er in der Weltausstellung des Hyde Parks in London ausgestellt. Die Reaktionen fielen gemischt aus, denn das Aussehen des Diamanten war keinesfalls leuchtend. Es wurden damals viele enttäuschte Meinungen geäußert. Prinz Albert, der Ehemann von Viktoria ließ den Diamant sogar im Jahr 1852 neu durchschleifen. Bei dieser Operation verlor der Diamant 42% seines Gewichtes – von den urprünglichen 186 auf knappe 106 Karat. In dieser Zeit gehörte Koh-I-Noor noch persönlich der Königin Viktoria, die ihn als Brosche trug. Erst nach ihrem Tod wurde er Teil der königlichen Kronjuwelen. Er war Bestandteil mehrerer Kronen, bis er im Jahr 1937 in die Krone der Königinenmutter eingesetzt wurde. Als sie im Jahr 2002 verstarb, legte man den Diamanten während der Beerdigung auf ihren Sarg. Heute befindet sich der Diamant im Tower von London. Indien, Iran, Pakistan und Afghanistan erheben immer wieder Ansprüche auf den Koh-I-Noor. Laut Spezialisten hat allerdings nur Indien Anrecht auf die Rückgabe, weil er dort gewonnen wurde. Rufende Stimmen nach der Rückgabe bleiben jedoch unerhört. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Diamant irgendwann nach Asien zurückkommt, ist sehr gering. Koh-I-Noor ist vielleicht das beste Beispiel dafür, dass der hohe Wert eines Diamanten gar nicht mit seiner Größe oder technischen Perfektion zu tun haben muss. Eine einzigartige und interessante Geschichte sowie exklusive Besitzer sind die Ursache dafür, dass den Wert von Koh-I-Noor keiner schätzen kann. So wird sein Wert als unschätzbar erachtet.